Christian Wetklo – ein Gelsenkirchener Junge in Mainz

Christian Wetklo, Torwart von Mainz 05. Foto: Mainz 05

Mainz' Torwart Christian Wetklo spielte früher beim SC Buer-Hassel und Schalke 04. Foto: Mainz 05.

Vom SC Buer-Hassel zu Mainz 05: Christian Wetklo (31) hat es aus dem Gelsenkirchener Jugendfußball bis in den Profibereich geschafft. Im exklusiven XXL-Interview mit sonntagsschicht.de spricht der Torwart vom Überraschungsteam der Bundesliga über heimatverbundene Spieler, Träume in Königsblau und erzählt, dass er keineswegs neidisch auf Manuel Neuer ist.

Herr Wetklo, können Sie zurzeit ruhig schlafen?
„ Ja. Warum fragen Sie?“

Der SC Buer-Hassel, für den Sie in der Jugend gespielt haben, steckt in der Junioren-Bezirksliga tief im Abstiegskampf.
„Ja, das bekomme ich mit. Erst im Dezember habe ich ein Spiel live gesehen, wo sie auch knapp verloren haben. Ich kenne auch den heutigen Vorsitzenden Bruno Piotrowski sehr gut. Der war damals mein E-Jugend-Trainer und mit ihm telefoniere ich häufig. Außerdem halte ich mich durch Berichte in den lokalen Zeitungen und im Internet auf dem Laufenden. Deshalb weiß ich auch, dass sie gegen den Abstieg spielen – und ich drücke ihnen die Daumen.“

Also ist ihr Kontakt zum Gelsenkirchener Fußball nicht abgerissen?
„Auf keinen Fall. Es war mir immer wichtig, den Kontakt in die Heimat zu halten. Schließlich hat da meine Karriere als Fußballer begonnen.“

Wie oft schaffen Sie es denn im Jahr noch, Gelsenkirchen einen Besuch abzustatten?
„Das hängt immer davon ab, wie unser Trainingsplan hier in Mainz aussieht. Aber wenn wir mal zwei Tage am Stück frei haben, zum Beispiel in Länderspielpausen, dann versuche ich so oft wie möglich, nach Gelsenkirchen zu fahren.“

Ex-Verein: SC Hassel

Jugend-Verein: SC Hassel

Wenn Sie wie zuletzt im Dezember ein Spiel Ihres früheren Vereins Buer-Hassel vor Ort verfolgen, können Sie sich dann relativ unbehelligt dort bewegen? Oder müssen Sie während des Spiels nur Autogramme schreiben?
„Na ja, ein paar Jungs erkennen mich eigentlich immer und wollen dann oft auch ein Autogramm. Von den Erwachsenen kennen mich ohnehin noch einige, die mich schon in der Jugend haben spielen sehen. Aber wir unterhalten uns dann ganz normal.“

Gibt es etwas, das Sie an Gelsenkirchen beziehungsweise dem Ruhrgebiet in Mainz vermissen?
„Ich wohne ja inzwischen schon elf Jahre in Mainz, insofern ist das praktisch schon zur zweiten Heimat geworden. Aber in erster Linie vermisse ich natürlich meine Familie und meine Verwandten, die noch in Gelsenkirchen wohnen. Ansonsten fällt mir spontan nichts ein, was mir in Mainz fehlt – außer natürlich Schalke 04 (lacht).“

Ist das Ihr Traum – noch einmal für Schalke in der Bundesliga spielen zu dürfen?
„Ja, das ist schon so etwas wie ein Traum von mir. Ich habe ja in der Jugend schon für Schalke gespielt und viele Fußballer beenden ihre Karriere gerne bei dem Verein, wo sie angefangen haben. Das kann ich mir auch gut vorstellen.“

Durch Ihre Adern fließt also noch immer königsblaues Blut?
„Ja, das kann man so sagen. Wenn man einmal für Schalke gespielt hat, dann lässt einen dieser Verein so schnell nicht los. Dort bin ich groß geworden, meine Eltern wohnen nur zwei Kilometer von der Arena entfernt. Wenn wir mit Mainz spielfrei haben, versuche ich auch so oft wie möglich, ein Schalke-Spiel zu sehen. Ich hatte mir beispielsweise auch eine Karte für das Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen Valencia besorgt. Bei Schalke fiebere ich also immer noch mit.“

Traum-Verein: Schalke 04

Traum-Verein: Schalke 04

Wie ist es denn dann gefühlsmäßig für Sie, gegen Schalke zu spielen, so wie zuletzt Mitte Dezember?
„Es war immer ein großer Wunsch von mir, mal gegen Schalke im Tor zu stehen. Und dann hat man natürlich den Ehrgeiz, sie auch zu schlagen. Da will man sich beweisen und ihnen zeigen: Hey, ich war auch mal bei euch! Deshalb war unsere Niederlage (Mainz verlor 0:1, Anm. d. Red.) doppelt ärgerlich. Ein noch größerer Wunsch wäre es, einmal als Mainzer Nummer eins auf Schalke zu spielen. Das hat bisher noch nicht geklappt. Ich habe damals in der Jugend noch mitbekommen, wie der Bau der Arena begonnen hat – nur darin spielen konnte ich bisher leider noch nicht.“

Heißt das, dass Schalke auch der Verein wäre, mit dem Sie am liebsten einmal Deutscher Meister werden würden?
„Jetzt muss ich aufpassen, was ich sage, schließlich ist Mainz 05 mein Arbeitgeber (lacht). Nein, meine Mannschaftskollegen in Mainz wissen ja alle, dass ich ein Gelsenkirchener Junge bin und dass mein Herz eben auch für Schalke schlägt. 1996/97, als Schalke den Uefa-Cup gewann, durfte ich erstmals bei den Profis mittrainieren. Deshalb ist es seitdem auch immer der Traum gewesen, für diesen Verein auflaufen zu dürfen. Bisher ist er mir verwehrt geblieben, aber man weiß ja, wie schnell es im Fußball manchmal geht. Ich bin jetzt 31, mein Vertrag läuft aus. Ich fühle mich sehr wohl in Mainz – aber bei einem Anruf von Schalke würde ich ins Grübeln kommen.“

Aktueller Verein: Mainz 05

Aktueller Verein: Mainz 05

Zählen heimatverbundene Profifußballer wie Sie zu einer aussterbenden Spezies?
„Das würde ich so pauschal nicht sagen. Viel hängt ja auch von den Vereinen ab, ob sie den jungen Spielern eine Chance geben oder nicht. Dortmund zeigt derzeit ja, dass dieser Weg sehr erfolgreich sein kann. Auch Schalke hat viele gute Jugendspieler hervorgebracht und manche haben auch den Durchbruch geschafft. Trotzdem kaufen die Bundesligaklubs meiner Meinung nach noch zu viele Spieler aus dem Ausland, anstatt dem eigenen Nachwuchs eine Chance zu geben.“

Zumal junge Spieler zu Identifikationsfiguren werden können. Auf Schalke ließ sich zuletzt beobachten, wie die Einkaufspolitik von Felix Magath einen Keil zwischen Trainer und einen Teil der Fans getrieben hat.
„Zu den Schalker Transfers möchte ich mich nicht äußern. Aber grundsätzlich stimmt das. Spieler, die in derselben Stadt oder der Umgebung aufgewachsen sind, verstehen, was es heißt, das Trikot dieses Vereins tragen zu dürfen. Ein Brasilianer, der für fünf, sechs Millionen von irgendwo geholt wird, weiß das in der Regel nicht.“

Etwas provokant gefragt: Sind Sie neidisch auf Manuel Neuer, der als Gelsenkirchener Junge den Sprung aus der Fankurve ins Schalker Tor geschafft hat?
„Nein, absolut nicht. Manuel und ich sind ja unterschiedliche Jahrgänge, ich war damals in einer ganz anderen Situation, hatte andere Torhüter vor mir. Es freut mich immer, wenn ein junger Spieler aus Gelsenkirchen oder Umgebung eine solche Karriere hinlegt. In diesem Fall auch für Lothar Matuschek, der mein Torwarttrainer in der Jugend war und auch Manuel trainiert hat. Auch Julian Draxler hat ja schon angedeutet, dass er ein vielversprechendes Talent ist. Und ich hoffe, dass da noch mehr junge Spieler nachkommen, nicht nur bei Schalke.“

Stichwort junge Spieler: Stimmt es, dass Sie Ihre Karriere als Stürmer begonnen haben?
„Nicht direkt. Ich wollte von Anfang an Torwart werden, das stand für mich fest. In der Jugend beim SC Buer-Hassel hat mich der Trainer aber oft in den Sturm gestellt, weil ich schon damals relativ groß war und einen harten Schuss hatte. Da hieß es dann: Wenn du vorne fünf Stück machst, können wir hinten so viele gar nicht kriegen. Aber wie gesagt: Eigentlich war ich schon immer Torwart.“

Für viele Profi-Fußballer ist der eigene Vater noch immer der größte Kritiker. Wie ist das bei Ihnen?
„Inzwischen bin ich selbst mein größter Kritiker. Aber mein Vater ist auch fußballverrückt, war von Anfang an dabei und wir telefonieren heute nach jedem Spiel. Entweder gratuliert er mir dann oder hält mir einen Fehler vor – wobei er vom Torwartspiel nicht so viel Ahnung hat (lacht). Er schimpft allerdings sofort, wenn ich mir wegen aggressiven Spiels oder Meckerns eine gelbe Karte einhandele. Da hat er ja auch eigentlich Recht.“

Gibt es ein Ereignis, von dem Sie sagen: Das ist bis jetzt der Höhepunkt meiner Karriere?
„Da fallen mir mehrere ein. Einmal ein Spiel mit der deutschen U17-Nationalmannschaft gegen Ägypten in Kairo vor 85.000 Zuschauern. Das war mit 17 Jahren ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde – vor allem, weil alle 85.000 gegen uns waren. Dann das erste Bundesligaspiel für Mainz gegen Bielefeld, 0:0 ging das damals aus…“

…das erste Spiel gleich ohne Gegentreffer – ein guter Start für einen Torwart.
„Ja, genau. Und natürlich der Sieg bei den Bayern, das 2:1 in dieser Hinrunde. Das sind bis jetzt die drei Ereignisse, die mehr als andere haften geblieben sind.“

Stimmung am Bruchweg: Stadion und Fans des FSV Mainz 05. Foto: Fanklub "Die Humballer"

Stimmung am Bruchweg: Stadion und Fans des FSV Mainz 05. Foto: Fanklub "Die Humballer"

Zu Ihrer Situation in Mainz: Lange mussten Sie Dimo Wache den Vortritt im Tor lassen. Dann kam Heinz Müller und spielte eine überzeugende Saison 2009/2010. Nach dessen Verletzung zeigten Sie gute Leistungen in der Hinrunde – trotzdem steht nun wieder Müller im Tor. Haben Sie die Hoffnung schon aufgegeben, langfristig die Mainzer Nummer eins zu werden?
„Nein. Natürlich habe ich mir nach der erfolgreichen Hinrunde mehr ausgerechnet. Jetzt gilt es eben, im Training weiter Gas zu geben und Druck auf den Heinz auszuüben. Er weiß, dass ich hinter ihm bin und dass er auf der Hut sein muss. Ich muss einfach wieder auf meine Chance warten.“

Man hat ja in München oder Hannover gesehen, wie schnell es zum Torwartwechsel kommen kann…
„Ja, das stimmt. Es ist natürlich auch so, dass mich Ende 2007 zwei schwere Schulterverletzungen zurückgeworfen haben, gerade als ich für den Dimo zwischen die Pfosten gerückt bin. Dadurch war ich für sieben Monate außer Gefecht gesetzt und natürlich im Hintertreffen, als dann Heinz Müller geholt wurde. Aber noch einmal: Den Kampf um die Nummer eins habe ich längst nicht aufgegeben.“

Mainz 05 zählt bisher zu den großen Überraschungen der Liga. Was ist diese Saison noch drin?
„Die Euphorie im Umfeld ist natürlich groß, viele sprechen schon von Champions League oder Europa League. Gemessen an unseren Möglichkeiten haben wir schon viel erreicht, das darf man nicht übersehen. Unser Ziel mit Mainz kann immer nur der Klassenerhalt sein, das ist in diesem Jahr nicht anders. Alles was jetzt noch kommt, nehmen wir gerne mit. Wenn wir auf dem achten oder neunten Platz landen, wäre es immer noch eine tolle Saison, egal was andere dann sagen würden.“

Christian Wetklo, Torwart des FSV Mainz 05Zur Person: Christian Wetklo wurde am 11. Januar 1980 in Marl geboren. In seiner Jugend spielte er bei DJK Arminia Hassel, dem SC Buer-Hassel und von 1995 bis 1999 bei Schalke 04. Nach einem Jahr bei Rot-Weiß Essen wechselte er 2000 zum FSV Mainz 05, wo er seit 2001 bei den Profis zum Einsatz kommt. Wetklo bestritt bisher 45 Bundesligaspiele, allesamt für Mainz. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Ein Interview von Hendrik Baumann.

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3 Kommentare zu Christian Wetklo – ein Gelsenkirchener Junge in Mainz

  1. Emanuel sagt:

    Netter Blog, gefaellt mir sehr.

  2. Wiechen, Wolfgang sagt:

    Da habt ihr ja heute beim BVB genau das gekriegt, was ihr verdient habt. Deine Leistung beim 1:0 war die eines blauen Fliegenfängers, die heute genauso beschissen gespielt haben. Die BVB Fans haben dir ja bei jedem Abschlag gesagt, was sie von dir halten. Dem kann ich mich nur anschließen. Schade, dass es am Schluss nicht noch zu einer roten Karte für dich Widerling gereicht hat. Ein Glück, dass man dich und deine Truppe nicht in Europa sehen wird. Ich kann nur hoffen, dass Heinz Müller einen Loser wie dich bald ersetzt. That’s it.

    • Hölter, Hugo sagt:

      An Wetklo seiner Stelle würde ich für solche Äußerungen einen Strafantrag gegen Ihre Person stellen. Anonym im Internet seit Ihr alle stark. Aber über die IP bekommt man euch alle.

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