AUSWÄRTSSPIEL AUF DEM EIGENEN PLATZ


Die Vereine VfB 09/13 Gelsenkirchen und DJK Adler Feldmark teilen sich seit Jahrzehnten eine Sportanlage. Zweimal pro Saison wandelt sich ihre Kooperation allerdings in Konkurrenz. Dann trifft in der Kreisliga B die Erste des VfB auf die Zweite der DJK. Ein Besuch beim Duell der Fußball-WG.

Die Nachmittagssonne scheint auf den Sportplatz Fürstinnenstraße im Gelsenkirchener Stadtteil Feldmark. Durch die Luft schallt Jubel. Der VfB 09/13 Gelsenkirchen hat gerade mit 3:1 gegen die DJK Adler Feldmark II gewonnen.

Am Spielfeldrand steht Michael Cap. Verschwitzt und erschöpft schaut er aus. Cap coacht die DJK Adler Feldmark II. Normalerweise. Denn heute stand er selbst auf dem Platz, es waren zu wenig Spieler da. Sein ungeplanter Einsatz hat aber auch nichts gebracht. Man kann Cap die Enttäuschung im Gesicht ablesen.

Während sich ein paar Meter weiter auf dem Platz die Spieler des VfB noch zu ihrem Sieg beglückwünschen, steht ihr Trainer Tim Kämper bereits neben Cap, klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Gutes Spiel”.  Cap wischt sich den Schweiß von der Stirn und lacht.

Zwei Mannschaften, eine Sportanlage

VfB gegen Adler – Heimteam gegen Heimteam. Foto: Mareike Maack

„Früher hätte es so einen freundschaftlichen Umgang nie gegeben, da ging es hier richtig zur Sache. Die Rivalität war groß”, sagt Senol Cam, seit 23 Jahren Mitglied beim VfB Gelsenkirchen und im Vorstand tätig. „Schon in der Jugend wurden wir gegen die Adler aufgestachelt”. Und das hatte einen einfachen Grund: Seit Jahrzehnten teilen sich die beiden Vereine ein und denselben Sportplatz.

Dass sich zwei Klubs eine Anlage teilen, kommt häufiger vor. Dass diese beiden Vereine dann aber auch noch in einem Meisterschaftsspiel aufeinandertreffen, ist schon seltener. Zweimal pro Saison heißt es auf dem Sportplatz Fürstinnenstraße: Heimmannschaft gegen Heimmannschaft. Erste Mannschaft VfB 09/13 Gelsenkirchen gegen zweite Mannschaft DJK Adler Feldmark. Ein Derby in der Kreisliga B.

Dass es bei diesen Duellen früher noch richtigen Derby-Charakter gab, Spiele, bei denen es nicht immer friedlich zuging, daran erinnert sich auch Uwe Hackelbarth, 1. Vorsitzender beim VfB: „Früher waren die Partien viel aggressiver. Sowohl zwischen den Zuschauern als auch zwischen den Spielern ging es hitzig zur Sache. Heute hat sich das besonders durch einen Vorstandswechsel verändert. Die Vereine haben sich angenähert, es herrscht mehr Freundschaft als Feindschaft.“

 

Keine Feindschaft mehr

Trotz Derby-Charakter blieb die Partie fair – meistens. Foto: Mareike Maack

Freundschaftlicher Umgang zeigte sich auch während des Spiels. Jeder Spieler kämpfte, es wurde gegrätscht und geackert. Die Mittel blieben aber stets fair. „Hier herrscht keine Feindschaft“, bestätigt Adler-Coach Cap, der mit seiner Mannschaft vor dem Derby einen Mannschaftsabend mit Pizzaessen veranstaltet hatte. „Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Wir wollen mit unserer Zweiten schließlich auch mal die Erste des VfB ärgern“, sagt Trainer Cap. In der Tabelle stehen er und sein Team auf Platz neun im gesicherten Mittelfeld, der VfB ist Dritter und hat theoretisch noch Chancen auf die Meisterschaft (Stand nach dem 24. Spieltag).

Trotz der großen Pläne scheint Cap die Niederlage ganz gut zu verdauen. Kurz nach Abpfiff plaudert er schon wieder mit dem Trainer und des Spielern des VfB. Er ist sogar zu Scherzen aufgelegt: „Für den VfB geht es darum, in die höhere Liga aufzusteigen. Und wir wollen sie aus der Kreisliga B herausschubsen. Gar keine Frage, dass wir da gerne ein wenig helfen“, sagt Adler-Trainer Cap mit scherzhaftem Unterton in der Stimme.

 

 

„Nein, nein, wir sind mittlerweile einfach alle Freunde geworden. Viele Spieler haben auch zwischen den Mannschaften gewechselt und kennen sich schon lange“, fügt VfB-Vorstandsmitglied Cam hinzu. „Ganz genau“, sagt Cap, „heute ist unser einziges Problem, dass die Mannschaft, die kein Heimrecht auf dem eigenen Platz hat, die kleinere Kabine zugeteilt bekommt.“ Der VfB durfte in die größere Umkleide. Für die Adler hieß es: Auswärtsspiel zuhause.

Gemeinsame Arbeit in der Jugend

Mittlerweile arbeiten die beiden Vereine sogar in der Jugend zusammen. Sie haben sogar ein gemeinsames Team gegründet. „Diese  Jugendmannschaft kommt beiden Vereinen zugute. Hier in der Feldmark gibt es einfach gar nicht mehr so viele Kinder – es wäre unmöglich, zwei Jugendmannschaften aufzubauen“, sagt Cam. Friedliche Aussichten für die Zukunft der Gelsenkirchener Fußball-WG.

Ein Text von Mareike Maack und Ann-Kathrin Gumpert